1.5 Praxisbeispiele zur Relevanz eines Fremdfirmenkoordinators
1.5.1 Schwebebahn-Unfall in Wuppertal (1999)
Ein tragisches Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die Bedeutung eines Fremdfirmenkoordinators: Am 12. April 1999 kam es in Wuppertal bei der Schwebebahn zu einem schweren Unfall. Ein Zug kollidierte in rund zehn Metern Höhe mit einer provisorischen Stahlkralle, die nach Abschluss von Bauarbeiten versehentlich nicht entfernt worden war. Der Wagen entgleiste und stürzte in die Wupper. Bei diesem Unglück kamen fünf Menschen ums Leben, 47 weitere wurden schwer verletzt.
Ursächlich für dieses Unglück war kein technisches Versagen, sondern eine mangelhafte Abstimmung und Kontrolle der Arbeiten, insbesondere durch verantwortliche Bauüberwacher und Aufsichtspersonen. Der Unfall hätte durch organisatorische Maßnahmen verhindert werden können: Es fehlten eine gezielte Endkontrolle der Baumaßnahmen und eine ausreichende Abstimmung zwischen Auftraggeber und Fremdfirmen.
Genau hier setzt die Rolle des Fremdfirmenkoordinators an. Dieser ist speziell dafür zuständig, die Arbeitsabläufe der beauftragten Unternehmen zu koordinieren, Risiken frühzeitig zu erkennen und Sicherheitsmaßnahmen verbindlich festzulegen. Der Koordinator organisiert Abstimmungen, überwacht kritische Tätigkeiten und sorgt dafür, dass die erforderlichen Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Zur Prävention solcher Vorfälle sollte der Fremdfirmenkoordinator frühzeitig, klar und schriftlich bestellt und allen Beteiligten bekannt gemacht werden. Er stimmt die Sicherheitsmaßnahmen ab, unterweist (zusätzlich) gegebenenfalls die Fremdfirmenmitarbeiter in betriebsspezifischen Gefahren sowie im richtigen Einsatz persönlicher Schutzausrüstung, prüft die Qualifikation der Fremdfirmenmitarbeiter und sorgt für regelmäßige Kontrollen.
Der Unfall verdeutlicht, wie wichtig eine professionelle Fremdfirmenkoordination ist, denn die Folgen des fehlenden oder mangelhaften Fremdfirmenmanagements sind erheblich – von schweren Verletzungen über Haftungsrisiken bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen. Der koordinierte Einsatz klar definierter Verantwortlichkeiten und systematischer Kontrollen sind wesentliche Voraussetzungen zur Unfallverhütung und Rechtssicherheit beim Einsatz von Fremdfirmen.
1.5.2 Schwerer Unfall durch fehlende Fremdfirmenkoordination im Stahlwerk
Bei einem tragischen Unfall in einem Stahlwerk kamen zwei Arbeiter ums Leben, als sie zusammen mit einem Kollegen den Deckel eines 30 m³ großen Flusssäurebehälters entfernen wollten. Dieser Behälter sollte zur Reinigung vorbereitet werden. Die Beschäftigten waren Leiharbeitnehmer einer Fremdfirma und hatten nicht die notwendige Fachkenntnis. Bereits zuvor hatten sie versucht, den Behälterdeckel unsachgemäß zu öffnen.
Nach dem misslungenen ersten Versuch schloss der Deckel nicht mehr richtig. Da die hinzugefügte Neutralisationslösung nicht ausreichte, reagierte die verbliebene Flusssäure mit dem Behältermaterial, wodurch ein hoher Druck entstand. Als die Arbeiter versuchten, den Deckel mit einem Winkelschleifer zu öffnen, kam es zu einer Explosion. Dabei wurden zwei Beschäftigte durch den Explosionsdruck tödlich verletzt. Der rund 90 kg schwere Deckel flog etwa 60 Meter weit und durchschlug das Dach einer angrenzenden Werkhalle.
Die Ermittlungen zeigten, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre. Grund für das Unglück waren gravierende organisatorische und koordinative Fehler beim Einsatz von Fremdfirmen und Leiharbeitnehmern. Es fehlten eine gemeinsame Gefährdungsbeurteilung sowie klare Absprachen zwischen Auftraggeber und Fremdfirmen. Kommunikation und Abstimmung waren mangelhaft, sodass keiner der Beteiligten wusste, wer verantwortlich war. Zudem wurde nicht geprüft, ob die Fremdfirmenmitarbeiter ausreichend im Umgang mit der Gefahrensituation unterwiesen waren.
Solche schwerwiegenden Unfälle können effektiv vermieden werden, indem ein Fremdfirmenkoordinator schriftlich bestellt wird, der die Arbeiten koordiniert, Aufsicht führt und die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen überwacht. Der Koordinator sorgt außerdem für klare Kommunikation, dokumentiert die Unterweisungen und prüft regelmäßig die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen. Ohne klare Verantwortlichkeiten und gezielte Koordination entstehen erhebliche Risiken für alle Beteiligten. Daher ist die schriftliche Bestellung eines Fremdfirmenkoordinators dringend notwendig, um schwere Unfälle und die damit verbundenen rechtlichen und menschlichen Folgen zu vermeiden.